Dienstag, 07. Feb. 2012 • 20 Uhr

Antje Rávic Strubel
Kältere Schichten der Luft / Roman

aRoman

Die tragische Romanze zweier Frauen in einem schwedischen Sommercamp

Inhalt:

Ein Kanu-Camp in Schweden. Hier arbeiten Aussteiger, Abenteuersuchende, Arbeitslose und Naturfreaks. Für einige Sommerwochen retten sie sich in eine kulturferne Landschaft. Auch Anja hat sich aus ihrem deutschen Kleinstadtalltag geflüchtet. Sie sucht Ruhe, doch sie wird überrascht von einer Leidenschaft: Eines Tages steht eine fremde junge Frau am See und legt Anja die Arme um den Hals und entführt sie in ein unbewohntes Haus. Sie gibt ihr den Namen ihres verlorenen Geliebten, des Schiffsjungen Schmoll. Doch der Zauber, die nachgeholte Unschuld dieser ersten Liebe, wird bald vergiftet durch den Argwohn und die Übergriffe der Campbewohner. Angst und Verstörung bedrohen nicht nur die Phantasien, sondern auch die Realität der beiden Frauen. Aus Aggression wird schließlich tödliche Gewalt.

Biographie

Antje Rávic Strubel, 1974 geboren, studierte nach einer Buchhandelslehre Amerikanistik, Psychologie und Literaturwissenschaften in Potsdam und New York. In New York arbeitete sie nebenbei als Beleuchterin an einem Off-Theater. Ihre Romane wurden mit zahlreichen Preisen geehrt, »Kältere Schichten der Luft« war für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert und wurde mit dem Rheingau-Literatur-Preis und dem Hermann-Hesse-Preis ausgezeichnet. Sie veröffentlichte zuvor die Romane »Offene Blende«, »Unter Schnee«, »Fremd Gehen. Ein Nachtstück« sowie »Tupolew 134«, dieser Roman stieß auf begeisterte Kritiken.

Auszeichnungen:

Rheingau-Literatur-Preis 2007
Hermann-Hesse-Preis 2007
Nominierung zum Preis der Leipziger Buchmesse, 2007
Förderpreis des Bremer Literaturpreises, 2005
Marburger Literaturpreis, 2005
Stipendium der Lion Feuchtwanger Villa in Los Angeles, 2004
Heinrich-Heine-Stipendium in Lüneburg, 2003
Roswitha-Medaille der Stadt Gandersheim, 2003
Kritikerpreis für Literatur, 2003
Förderpreis für Literatur der Akademie der Künste, 2002
Ernst-Willner-Preis, Klagenfurt, 2001
Stipendium für das Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf, 2000
Arbeitsstipendium des Landes Brandenburg, 1999
Arbeitsstipendium der Stiftung Kulturfonds, 1996

Rezensionen

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»Antje Strubel fasst sehr überzeugend in Worte, in Bilder, in Szenen, was man eigentlich kennt und weiß: dass die Liebe eine Projektion von Wünschen ist. (...) Antje Strubel ist es gelungen, Romantik und Zeitkritik auf sehr verblüffende Weise zusammenzubringen. (...) es ist in lauter Naheinstellungen erzählt, mit manchmal atemberaubendem sprachlichen Zugriff. Und so entfaltet es seine Wirkung langsam, aber nachhaltig: Es ist der gelungene Versuch, eine zeitgenössische condition humaine sichtbar zu machen: die literaturnotorische Frau von dreißig Jahren, eine Gesellschaft der Außenseiter und die verbleibenden Möglichkeiten des Lebens.«
Katharina Döbler, Die Zeit, 1.3.2007

»Beeindruckend ist ihre Genauigkeit, ist der sprachliche Reichtum dieser Autorin. Antje Rávic Strubel entwirft in ihrem Roman atmosphärisch dichte Bilder, die in ihrer Intensität eine bedrohliche Wirkung entfalten. Spannung liegt in der Luft, von der ersten Seite an. Hier braut sich etwas Ungutes, Böses zusammen.«
Heide Soltau, NDR Info/Kultur, 6.3.2007

»Antje Rávic Strubel hat einen kleinen, lichtdurchfluteten Roman geschrieben, der vom Wesentlichen handelt – vom Wesentlichen, das gar nicht so schwer sein muß; von der Möglichkeit, sich selbst, seinen Gefühlen, seinen Gedanken mal zu trauen. Eine alte Geschichte, die aber immer wieder neu erzählt werden muß: wie die Liebe alles andere lächerlich, bedeutungslos macht. Antje Rávic Strubel erzählt diese Geschichte ohne Pathos und ohne Tand, schlicht und klug...« Alexander Solloch, NDR Kultur, Matinee, 7.3.2007

»Antje Rávic Strubel führt in ihrem Roman ›Kältere Schichten der Luft‹ ihre Heldin aus Halberstadt nach Schweden, in eine wahre Liebesexplosion. Eine lesbische Liebesgeschichte, wahnsinnig romantisch, die alles wagt, alle Vorsichten vergisst, alle Lebensmöglichkeiten für einen Moment wirklich werden lässt. Doch am Ende ist auch hier wieder - Halberstadt.«
Volker Weidermann, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 11.3.2007

»Antje Ravic Strubel hat den Roman für den kommenden Sommer geschrieben: Ein verzaubert licht-dunkles Sprachkunststück über ein Jugendlager an einem schwedischen See. In ›Kältere Schichten der Luft‹ zeigt sie, welche Verwandlungen die Liebe auslösen kann. (...) Ein geradezu altmeisterliches Sprachkunstwerk: Geflochten aus Sätzen, wie sie in ihrer Makellosigkeit, ihrer Präzision, ihrer dunkelleuchtenden Tiefe ziemlich selten geworden sind. (...) Verblüffend konsequent, unaufdringlich und sicher inszeniert Strubel ihr Sprach- und Literaturspiel. Lässt einen Roman aus dem Roman wuchern, ihn sich ausspinnen, flicht kleine hoffmanneske Nebengeschichten ein.«
Elmar Krekeler, Die Welt, 17.3.2007

»Antje Rávic Strubel ist, nach vier Büchern, eine viel zu kluge und gereifte Erzählerin, um nicht zu wissen, dass es keine wahre Sprache im falschen Körper gibt. Besser, man verlässt rechtzeitig die Kuschelzone der Gender-Spielchen und sucht sich seinen Blickpunkt in den ›kälteren Schichten‹ der Vernunftregion. Von da oben ist dieser hochkomplexe Roman ein reines Lesevergnügen.« Beatrix Langner, Neue Zürcher Zeitung, 17.3.2007

»So genau wie Antje Ravic Strubel den banal ruppigen Umgangston auf der Arbeitsstelle trifft, so abrupt wechselt sie hinüber in traumhafte Zustände, Trance. (...) Es ist verblüffend, wie es Antje Ravic Strubel gelingt, eine Milieustudie zu entwerfen. (...) solch erotisch aufgeladene, vieldeutige, be- und entrückende Sätze fallen in der deutschen Gegenwartsliteratur auf.«
Helmut Böttiger, Süddeutsche Zeitung, 20.3.2007

»Was als Kolportage beginnt, erweist sich als ein raffiniertes und tief beunruhigendes Sprachzauberkunststück. (...) Wie auf impressionistischen Bildern die Digne nicht einfach anwesend sind, sondern durch das Licht erst hervorgebracht werden als seine flüchtigen Materialisierungen: so erscheinen auch die Szenerien und Figuren dieses Romans wie Effekte eines unfassbaren und immerfort wechselnden Lichtes; auch dies ein Nordland-Stereotyp, das die Autorin virtuos umdeutet.«
Heinrich Detering, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.3.2007

»Ein flirrender Sommerroman um eine Hauptfigur, die nach einer Identität sucht, mit der sie leben will. Aber sie ist beschädigt und die Leute um sie noch viel mehr. Das Buch tut weh, weil Antje Ravic Strubel die unsympathische Verlorenheit dieser Menschen, die sich ständig selbst im Weg stehen, bedrückend gut beschreibt.«
Kathrin Schings, Berliner Zeitung, 22.03.2007

»Kaum ein Gegenwarts-Autor fällt einem ein, der das Magische der Natur, deren wechselnde Stimmungen, Stimmen und Beleuchtungen derart in Literatur zu transportieren verstünde wie diese Erzählerin - erst recht aber niemand, der inmitten der üppigsten Natur-Natur die menschliche Gefühls-Natur derart radikal in Zweifel zöge. Bei Strubel stehn Gefühle gewissermaßen als Natur zweiter Ordnung da: ein Gesellschaftsprodukt. Und doch ist der Roman einer der erotischsten seit langem: ein Buch der Beschwörungen.«
Frauke Meyer-Gosau, Literaturen, April 2007

»Das ist eine Verwandlung, wie sie nur große Literatur glaubhaft zu schildern vermag. So aufregend anders wurde lange nicht mehr von der Liebe erzählt, cool, und doch romantisch, ein Buch, das lange in einem nachhallt, einfach weil es alles in Frage stellt, was man über Mann und Frau und die Liebe zu wissen glaubte. Also vertrauen Sie mir, ich weiß was ich tue, und lesen Sie ›Kältere Schichten der Luft‹ von Antje Ravic Strubel, erschienen im S. Fischer Verlag.«
Denis Scheck, ARD Druckfrisch, 1.4.2007

»Klug und rätselhaft ist dieser Roman, sinnlich und unterkühlt und romantisch. Und so bilder-, licht- und farbenstark wie kein deutscher sonst in diesem Frühsommer.«
Elmar Krekeler, Focus, 2.4.2007


Eintritt:

6,- € / erm. 4,- €

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Werke:

Offene Blende
. Roman. München: dtv, 2001
Unter Schnee. Episodenroman. München: dtv, 2001
Fremd Gehen. Ein Nachtstück. Hamburg: Marebuch, 2002
Tupolew 134. Roman. München: C. H. Beck, 2004
Kältere Schichten der Luft. Roman. Frankfurt a. M.: S. Fischer, 2007
Vom Dorf. Abenteuergeschichten zum Fest. München: dtv, 2007
Gebrauchsanweisung für Schweden. München: Piper, 2008
Sturz der Tage in die Nacht. S. Fischer, Frankfurt am Main 2011

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