Dienstag, 15. Nov. 2011 • 20 Uhr

Urs Faes
Paarbildung / Roman

aVom Kampf mit einer Krankheit und der Auseinandersetzung zweier Menschen mit sich selbst und der eigenen Vergangenheit

Inhalt

Eigentlich ist Andreas Lüscher Unfallpsychologe. Seit er jedoch eine Stelle als Gesprächstherapeut in der onkologischen Abteilung eines Krankenhauses angetreten hat, bestimmen Vokabeln aus der Krebstherapie seinen Arbeitsalltag: Dosisfraktion, Rezidivrisiko, Paarbildung. Ihn, der lieber beobachtet als mittendrin steht, der lieber Distanz wahrt, als zu nahe zu kommen, fasziniert das Verhältnis zwischen Patient und Arzt, die Bedeutung von Kommunikation, von Worten. Bis er eines Tages auf die Krankenakte einer Patientin stößt, deren Name ihm vertraut ist: Mit Meret Etter hat ihn vor Jahren eine intensive Liebe verbunden, sie ist eine Frau, die mitmischte bei den Zürcher Jugendunruhen, die sich beim Harfespielen selbst vergessen konnte, eine Juristin, die mit Leidenschaft gegen das Unrecht kämpfte. Jetzt steht ihr ein Kampf ganz anderer Art bevor. Und es ist die Frage, ob die Wiederbegegnung mit Andreas Lüscher, nach sechzehn Jahren des gegenseitigen Schweigens, ihr ihre Lage erleichtert. Und ob es klug ist, wenn sich beide mit den Gründen für dieses Schweigen auseinandersetzen.

Biographie

13.02.1947
Kindheit und Schulen besucht im aargauischen Suhrental.
1963-1967
Pädagogisch-soziales Gymnasium in der Internatsschule des ehemaligen Klosters Wettingen. Matura.
1968-75
Studium der allgemeinen Geschichte (mit Schwerpunkt Kolonialgeschichte, Faschismus, Geschichte der Schweiz), Germa nistik, Philosophie und Ethnologie. Längere Auslandsaufenthalte in Irland, Nord- und Südamerika. Lizentiat über die Geschichtsphilosophie Herders.
1978
Dissertation über die geistesgeschichtlichen und ethnologischen Implikationen der europäisch-afrikanischen Kulturkontakte im Zuge des Kolonialismus, Reisen als Begegnungen zwischen verschiedenen Kulturen.
1975 und 79
Erste literarische Arbeiten: zwei Gedichtbände.
1979-87
Arbeit als Journalist für Radio und verschiedene Zeitungen, u.a. Tagesanzeiger Magazin.
1982-87
freier Mitarbeiter beim Kleintheater »Claque« in Baden.
1996
Beginn der Wochenendreportagen für die Neue Zürcher Zeitung:
Im Land der Sibylle (23./24.11.1996)
Wo Jerusalem an den Tiber kommt. Auf den Spuren Piero della Francescas (1997).

Preise und Auszeichnungen

1985 Förderpreis des Kantons Solothurn
1986 Werkjahrauszeichnung der Stadt Zürich
1987/88 Werkstipendium am Instituto Svizzero in Rom
1990 Werkjahr Pro Helvetia
1991 Preis für Literatur des Kantons Solothurn
1995 Werkstipendium der Pro Helvetia
1999 Preis für Literatur der Regierung des Kantons Solothurn
2001 Schillerpreis der Schweiz für den Roman Und Ruth
2005 Werkjahresauszeichnung des Kanton Zürich für den Roman Als hätte die Stille Türen
2008 Einzelwerkpreis der Schweizerischen Schillerstiftung für Liebesarchiv
2010 Short-List für den Schweizer Buchpreis

Pressestimmen

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»Faes‘ … Roman fordert absolute Aufmerksamkeit aus vielerlei Gründen, primär aber wohl deshalb, weil dieses Buch eine Enttabuisierung leistet, den Krebs und all seine Geschwüre und Begleiterscheinungen sowohl schwarz auf weiß wie auch zwischen den Zeilen zur Sprache bringt. Schonungslos. Menschlich.«
Markus Bundi, Südkurier

»Urs Faes, der mit einem bezahlten Schreibauftrag die Prozesse auf einer radioonkologischen Station begleitet und analysiert hat, erzählt nicht nur von der Krebserkrankung einer Frau, sondern auch davon, was es bedeutet, in einer solchen Situation allein zu sein. ...Paarbildung ist ein leiser Roman, sparsam erzählt und im Ganzen überzeugend ...«
Meike Fessmann, Süddeutsche Zeitung

»Paarbildung ist ein Verwirrspiel, in dem der Leser nach und nach, wie durch einen Schleier, Figuren, Ereignisse und eine Geschichte erkennt, die schon halb in Vergessenheit geraten ist. … Zum sprachlichen Ereignis wird das Buch nicht nur durch die Unter- und Nebentöne und durch die Kunst, wesentliche Aussagen in einem beredten Schweigen zu verstecken.«
Charles Linsmayer, sonntagszeitung.ch

»Man kann Paarbildung nicht nur als Hommage an die erzählerische Kraft von Antonionis strenger, poetischer Bildsprache lesen, sondern auch als bissig-mitfühlendes Porträt eines Intellektuellen, der für die Freiheit schwärmt und fasziniert die Rebellion ringsum beobachtet, ohne irgendwo anzukommen - bis ihn das Leben hinterrücks doch erwischt. Nur lässt sich die Liebesgeschichte dann nicht mehr reparieren.«
Nicole Henneberg, Frankfurter Allgemeine Zeitung

Eintritt:

6,- € / erm. 4,- €

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Werke:

Eine Kerbe im Mittag. Gedichte. Sauerländer, Aarau 1975
Regenspur. Gedichte. Lenos, Basel 1979
Webfehler. Roman. Lenos, Basel 1983
Der Traum vom Leben. Erzählungen. Lenos, Basel 1984
Bis ans Ende der Erinnerung. Roman. Lenos, Basel 1986
Sommerwende. Roman. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1989
Alphabet des Abschieds. Roman. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1991
Augenblicke im Paradies. Roman. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1994
Ombra. Roman. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1997
Und Ruth. Roman. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2001
Als hätte die Stille Türen. Roman. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2005
Liebesarchiv. Roman. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2007
Paarbildung. Roman. Suhrkamp, Berlin 2010

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