Dienstag, 27. Sept. 2011 • 20 Uhr

Thomas Hettche
Die Liebe der Väter / Roman

aVon Hass, Ohnmacht und Demütigung eines verletzten Vaters.

Inhalt

Die berührende Geschichte eines Vaters, der um seine Tochter kämpft
Peter hat eine Tochter, aber das Sorgerecht für sie hat er nicht. Annika war zwei, als er und ihre Mutter sich trennten. Seitdem gerät jede elterliche Absprache zum Machtkampf um die inzwischen dreizehnjährige Annika. Ein Silvesterurlaub auf Sylt wird für Vater und Tochter zur entscheidenden Probe auf ihre Liebe.
Die Reise auf die Insel ist für den Verlagsvertreter Peter auch eine Rückkehr in Landschaften der Vergangenheit. Hier hat er die Sommer seiner Kindheit verbracht, als seine Mutter in einer Buchhandlung in Kampen arbeitete. Die Spaziergänge am Strand, die alte Kirche von Keitum, der Leuchtturm rufen Erinnerungen in ihm wach. Zum ersten Mal versucht er, seiner Tochter von sich zu erzählen. Er begegnet Susanne wieder, einer Freundin aus der Schulzeit, mittlerweile verheiratet und Mutter zweier Kinder. Und er muss erleben, dass er auf die Väter der scheinbar heilen Familien, die diese Ferien zusammen verbringen, wie ein Menetekel wirkt.
Es ist die Zeit zwischen den Jahren, die Rauhnächte, in denen Tiere sprechen können und die Tore der Geisterwelt offen stehen. »Die Wilde Jagd« tobt um das Ferienhaus auf der Düne, ein Wintersturm. Und in der Silvesternacht, zusammen mit Freunden im »Sansibar«, steht plötzlich Peters gesamte Existenz auf dem Spiel. Atemlos folgt man seiner Stimme, die erzählt, was ihm geschieht – gegenwärtig, distanzlos, unmittelbar.

Dieser Roman über die Schwierigkeit, heute Vater zu sein, ist Thomas Hettches persönlichstes Buch. Meisterhaft gelingt es ihm, die Atmosphäre des winterlichen Sylt mit einem Familiendrama zu verbinden, in dem es um die eigene Vergangenheit geht, die persönliche Integrität und eine gemeinsame Zukunft.

Biographie
Thomas Hettche, geboren 1964 in Treis, studierte in Frankfurt Philosophie und Germanistik. Nach Stipendienaufenthalten u.a. in Krakau, Venedig, Stuttgart, Rom und Los Angeles lebt er mit seiner Familie in Berlin.

Essayistische Veröffentlichungen vor allem in der FAZ und der Neuen Zürcher Zeitung.
Von 1995 bis 1999 Juror des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs in Klagenfurt,
1999 Herausgeber der literarischen Online-Anthologie NULL.

Preise

1990 Rauriser Literaturpreis
1990 Robert-Walser-Preis
1994 Ernst-Robert-Curtius-Förderpreis für Essayistik
1996 Rom-Preis der Villa Massimo
2005 Premio Grinzane Cavour
2006 Short-List zum Deutschen Buchpreis

Rezensionen

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»Ein großes Werk in Tiefe und Weite der Gedanken. Es scheut sich nicht, mit der fatalen Ohrfeige einen Abgrund aufzureißen, über den hinweg sich zwar Vater und Tochter wieder versöhnen, der aber im Übrigen nicht mehr geschlossen wird. Der Abgrund bleibt die Leerstelle für das Mysterium, das der Autor nicht einmal benennt. Es ist das Mysterium der Elternliebe, das voller Wunden und Wunder ist.« Jens Jessen, Die Zeit

»Das Eingeständnis, dass die innige Liebe zum Kind und die Abneigung gegen den früheren Partner in Patchworkfamilien häufig nah beieinander liegen, gehört zur Aufrichtigkeit dieses bemerkenswerten Romans. Wenn die Literatur den Anschluss an die Lebenswirklichkeit nicht verpassen will, wird es Zeit, dass auch andere Schriftsteller Hettches Beispiel folgen.« Felicitas von Lovenberg, FAZ

»Thomas Hettche hat das Buch einer leisen Verzweiflung geschrieben, böse traurig, abschiednehmend. Ein Buch, das jenseits aller Gesetzessprüche wahr bleibt.« Volker Weidermann, FAZ

»Eine paradoxe Leistung. Hettche gelingt es tatsächlich, John Banville folgend, einen Roman (über das Meer) zu schreiben, der (in diesem Sinn) keine Handlung hat, und trotzdem von der ersten bis zur letzten Seite spannend bleibt. Gefährlicher als die tosende Oberfläche der sich brechenden Wellen wirkt die darunter verborgene Gegenströmung, die uns mit unsichtbaren Kräften ins Meer hinaus zieht.« Martin Lüdke, Frankfurter Rundschau

»Hettches Roman ist ein Glücksfall, komplex, vielschichtig und geschrieben in einer artifiziellen Sprache, die der Emotionalität des Geschehens mit wohltuend nüchterner Kühle begegnet.« Sandra Kegel, FAZ

»Thomas Hettches Roman erzählt von Ohnmacht, Hass, Demütigung und Machtspielchen - radikal aus der Perspektive eines verletzten Vaters. Zugleich ist er zärtlich, die Sprache kühl wie das Sylter Klima.« Welt kompakt

»Thomas Hettches Roman ist kein Plädoyer für das traditionelle Familienbild, sondern erkundet eine Lebensform mit den Mitteln der Literatur. Und er buchstabiert ganz grundsätzlich existenzielle Erfahrungen durch: Es soll nicht nur um die Empfindungen seines Helden, nicht nur dieses einen Vaters gehen, sondern eben um die »Liebe der Väter« überhaupt.« BR-online

»Für den Untergang der klassichen Familie, die Neusortierung von Gesellschaft hat Hettche beeindruckende Bilder gefunden.« Der Westen

»Thomas Hettche empfiehlt sich mit diesem vollendeten Buch für die höchsten Auszeichnungen, die das literarische Deutschland zu vergeben hat.« Stuttgarter Zeitung

»Hettche versteht es, seine Prosa zwischen Sprachlosigkeit und Geständniszwang auszubalancieren, er kann widersprüchliche Gefühlslagen darstellen ohne jemals in den Sprachschablonen therapeutischer Ratgeber hängen zu bleiben.« Mannheimer Morgen

»Näher an der Realität wie Thomas Hettches Die Liebe der Väter war selten ein neuer Roman.[...] Thomas Hettche zeichnet in seinem Roman mit großer Suggestivkraft das stille Drama eines vielleicht unlösbaren Konflikts [...]« Neue Zürcher Zeitung

»Überzeugend und empfehlenswert ist Hettches Roman vor allem deshalb, weil er die Entfremdung, aber auch die seltenen Momente der Nähe zwischen Vater und Tochter glaubhaft darzustellen und in subtilen Beschreibungen jede Gefühlsregung aufzunehmen vermag.[...] Die Liebe der Väter ist ein hoch aktueller Zeitroman mit einer klaren politischen Haltung.« Basler Zeitung

»Es geht um Gefühle zwischen Einzelnen, um das, was aus Liebe und Familiensentimentalität wird, wenn es den menschen in ihrer kleinen Gemeinsamkeit zu eng geworden ist: Stilistisch pointiert, als Skizze eines Milieus und vor allem als Psychogramm eines Isolierten.« 3sat Magazin

»Die Liebe der Väter ist ein Exemplar jener Bücher, die von Anfang bis Ende einen Sog entwickeln, obwohl in Ihnen nichts Weltbewegendes passiert.[...] ist vor allem anderen ein ungemein sensibles Buch über die Gefühle zu einem Kind an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Seine Genauigkeit schützt es vor verlogenem Kitsch.« Die Presse Spectrum

»Distanzlos und in eindringlichen Bildern schildert Thomas Hettche die hilflosen Versuche des Vaters, sich seiner Tochter zu nähern« WDR5

 

 

Eintritt:

6,- € / erm. 4,- €

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Werke:

Ludwig muß sterben DuMont Verlag 1989
Inkubation DuMont 1992
Nox Suhrkamp Verlag 1995
Null. Literatur im Netz DuMont 2000
Der Fall Arbogast DuMont Verlag 2001
Woraus wir gemacht sind Kiepenheuer & Witsch 2006 Fahrtenbuch 1993 -2007 Kiepenheuer & Witsch 2007

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